Ecuador I

Aufenthalt: Quito, Amazonas und Galapagos

28.04.2016 – 24.05.2016

In Quito hiess uns Jorge mit seinem verschmitzten Lächeln willkommen und machte so die Ankunft in Ecuador zur angenehmsten unserer bisherigen Reise. Nach den ganzen Strapazen bei der Ausreise aus den USA war dieser Empfang echt eine Wohltat für die Seele. Jorge ist der Leiter der Musikschule, an der Miriams Schwester Alexandra als Volontärin gearbeitet hatte. Er und seine Frau Patricia haben uns nach einem Aufenthalt im Haus von Miriams Eltern letzten Sommer freundlich eingeladen, auf unserer Reise eine Zeit lang bei ihnen zu wohnen. Dieses Angebot nahmen wir natürlich gerne an und so fanden wir uns eine Stunde später am Familientisch zum ersten südamerikanischen Nachtessen wieder. Auf Englisch, Spanisch, und Deutsch – die ganze Familie pflegt intensive Kontakte zu Deutschland und der Schweiz – haben wir uns blendend unterhalten. Die nächsten Tage nahm Jorge uns mit auf Entdeckungstour durch Ecuadors Hauptstadt. Die Altstadt, das Musikviertel „La Ronda“, der Präsidentenpalast, ja sogar der 4200 m hohe Pinchincha haben wir besucht und währenddessen erste Eindrücke der südamerikanischen Kultur, die uns die nächsten sieben Monate begleiten wird, sammeln können.

 

Am vierten Tag stand bereits ein Aufenthalt im Amazonas auf dem Programm. Dafür reisten wir mit dem Bus nach Lago Agrio zum Naturreservat „Cuyabeno“. Für drei Tage haben wir in einer Lodge tief im Regenwald gewohnt und in einem Kanu in einer kleinen Gruppe inklusive Guide verschiedene Touren unternommen. Fotos der dichten Vegetation sowie der verschiedenen Tiere, die wir beobachten konnten, findet ihr in der Amazonas-Bildstrecke.

 

Die Totenkopfäffchen beeindruckten mit ihrer Akrobatik
Die Totenkopfäffchen beeindruckten mit ihrer Akrobatik

Bereits einen Tag nach der Rückkehr aus dem Regenwald hob unser Flugzeug nach Galapagos ab. Beim ersten Spaziergang zum Hafen von Puerto Ayora, die grösste Stadt auf den Inseln, machten wir schon Bekanntschaft mit der faszinierenden Tierwelt. Wie waren wir erstaunt, als auf einer Sitzbank im Hafen ein Seelöwe seelenruhig seinen Mittagschlaf abhielt und sich keinesfalls von den fotografierenden Touristen stören liess. Auf diese erste Begegnung folgten viele weitere: Schildkröten, Leguane, Albatrosse, Blaufusstölpel, Haie, Rochen, Delfine, Pinguine – sie alle und noch viele andere haben wir aus nächster Nähe betrachten können. Da auf den Galapagosinseln, betrachtet man die Evolution über die Millionen von Jahren, erst seit rund 200 Jahren Menschen leben, haben die Tiere keine Angst vor uns. Sie sehen uns einfach als eine weitere Spezies, die sich zu ihnen dazugesellt. Da die Inselgruppe ca. 1000 km vom Festland entfernt liegt, hat sich die Tier- und Pflanzenwelt dort sehr isoliert entwickelt. Viele Arten aus Flora und Fauna sind endemisch, das heisst, sie kommen nur auf Galapagos als solche vor.

 

Unsere erste Bekanntschaft mit einem Galapagos-Seelöwen
Unsere erste Bekanntschaft mit einem Galapagos-Seelöwen

In Quito haben wir last minute eine Schiffstour auf einer kleinen Jacht gebucht. Da die Inseln nämlich recht weit auseinanderliegen, ist das die beste Möglichkeit, mehrere verschiedenen Inseln zu besuchen. Zusammen mit 14 anderen Reisenden, alle etwa in unserem Alter, bezogen wir also unsere Kajüten auf der „Guantanamera“. Kurz darauf erkundeten wir schon die erste Insel, „North Seymour“, die vor allem wegen ihrer Vogel-Population spannend ist. Zusammen mit unserem Guide Johan wanderten wir über die relativ karge Insel, beobachteten die berühmten Blaufusstölpel beim Balztanz, die Fregattvögel beim Nisten und die Pelikane beim Fischen. Gleichzeitig lauschten wir seinen Ausführungen über die diversen Vogelarten und die geologische Entstehung der Insel.

 

Blaufusstölpel beim Balztanz
Blaufusstölpel beim Balztanz

Im gleichen Stil ging es dann für eine Woche weiter. Jeden Tag lernten wir eine andere Insel kennen, gingen an Land für Wanderungen oder bewegten uns im Wasser, wo wir, ausgerüstet mit Taucherbrille und Schnorchel, die Unterwasserwelt bestaunen konnten. Unglaublich, was wir alles gesehen haben! Die Erlebnisse lassen sich kaum in Worte fassen, deshalb sei auch hier wieder auf die Fotostrecke zu Galapagos verwiesen. Macht euch selbst ein Bild davon! Am eindrücklichsten war aber sicherlich jener eine Nachmittag vor der Insel San Cristóbal, als wir zusammen mit jungen Seelöwen und Riesenschildkröten schwimmen konnten. Die verspielten Seelöwen haben sich einen Spass daraus gemacht, uns zu necken und uns zu kleinen Schwimm- und Tauchduellen herauszufordern. Mit der flinken Art der Seelöwen kann man als Mensch selbst mit Flossen nicht mithalten und deshalb ist natürlich klar, wer jeweils gewonnen hat… Anders waren die Riesenschildkröten. Diese schwammen ruhig ihres Weges und liessen sich nicht beeindrucken, wenn wir neben ihnen mitschwammen. Eine weitere ganz spezielle Begegnung hatten wir mit Delfinen. Eines Abends kurz vor Sonnenuntergang sahen wir sie plötzlich: eine Riesenkolonie, sicher 100 Stück. Als der Kapitän mit Hupen versuchte die Delfine anzulocken, näherten sich tatsächlich etwa zehn von ihnen. So konnten wir vom Bug aus beobachten, wie die Delfine knapp unter der Wasseroberfläche dem Boot folgten. Auf unser Rufen und Klatschen hin drehten sie sich auf den Rücken, sprangen aus dem Wasser oder versuchten uns mit ihren Hinterflossen nass zu spritzen. Doch auch beim Wandern über Lavagestein, trockene Korallen, schneeweissen Sand und rote Erde oder beim Erkunden von unterirdischen Lavatunneln verbrachten wir eine unglaublich tolle Zeit. Als wir nach einer Woche die „Guantanamera“ verliessen, waren wir uns einig, dass die Erlebnisse der vergangenen Woche zu den eindrücklichsten unseres Lebens zählen und wir diese Schiffstour sicher nie vergessen werden. Dazu beigetragen hat übrigens sicher auch die tolle Truppe an Mitreisenden aus aller Welt, die wir uns gar nicht besser hätten wünschen können.

 

Delfine direkt vor dem Bug der „Guantanamera“
Delfine direkt vor dem Bug der „Guantanamera“

Zurück in Quito haben wir noch eine weitere Woche bei Jorge und Patricia verbracht. Diese Tage sind schnell zusammengefasst; wir waren vor allem beschäftigt mit Reparieren, Reiseblog updaten und Organisieren der Weiterreise. Nun geht es aber endlich wieder aufs Velo und wir fahren los in Richtung Süden – ganz nach dem Motto „going south“.

 

Abschiedsfoto mit unserer Gastfamilie in Quito - Muchísimas gracias a todos!
Abschiedsfoto mit unserer Gastfamilie in Quito - Muchísimas gracias a todos!
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