Laos

3. Etappe: Huay Xai nach Vientiane

06.03.2016 - 15.03.2016

Wir hatten Glück! Als wir am Schiffssteg in der laotischen Grenzstadt Huay Xai ankamen, erfuhren wir schnell, dass wenige Minuten später ein Boot in Richtung Luang Prabang losfahren würde. In Windeseile kauften wir also Tickets, verluden unsere Fahrräder aufs Dach und schleppten unsere vielen Taschen ins Boot; dann war für die nächsten zwei Tage langsames Dahinschippern angesagt. Der Wechsel vom Velo auf das Boot liess uns die abwechslungsreiche Umgebung aus einer neuen Perspektive wahrnehmen. Zuerst konnten wir noch dem Treiben in kleineren Städten rechts und links des Flusses zuschauen. Bald wurde es jedoch ruhiger und stundenlang waren keine Menschen mehr zu sehen. Am Ufer wechselten sich dafür steil abfallende Felsen, Sanddünen und dichter Urwald ab. Einige Male kreuzten wir ein anderes Boot, beobachteten Ziegen, Büffel und einmal gar Elefanten. Nach einer Übernachtung im touristischen Transit-Ort Pak Beng erreichten wir am späten Nachmittag Luang Prabang, ein Städtchen im französischen Kolonialstil, das dieses Flair noch immer treu ausstrahlt.


Von Luang Prabang aus besuchten wir ein beeindruckendes Naturspektakel, Wasserfälle, deren türkises Wasser erst viele Meter in die Tiefe stürzt und dann gemächlich über natürliche Kaskaden weiterfliesst. Hier hatten wir auch zum ersten Mal auf der Reise die Gelegenheit zum Baden. Durch Zufall fanden wir einen kleinen Pfad, der wohl kaum für Touristen gedacht war, jedoch auf die erste Etage des grossen Wasserfalls führte. Es war ein super Gefühl, in diesem natürlichen „Infinity-Pool“ zu sitzen, zu entspannen und dabei auf die bewachsenen Kaskaden hinunterzuschauen.

 

Der natürliche Infinity-Pool
Der natürliche Infinity-Pool

Weiter genossen wir in Luang Prabang auch die überall angebotenen frischen Fruchtsäfte, die nach Wunsch gefüllten Baguettes und die Bananen-Nutella Crêpes. Nach ein paar Tagen Aufenthalt sammelten wir unsere ersten Velo-Erfahrungen in Laos. Dabei kam es bald zum ersten Härtetest für unser Material, als wir die geteerte Strasse verliessen und es auf unebenen Staubstrassen weiterging. Wegen den Schlaglöchern, den grossen Steinen und den steilen Auf- und Abstiegen wurde alles heftigst durchgeschüttelt. Für Flussläufe, welche die Strasse kreuzten, gab es oft keine Brücke, sodass wir durchs Wasser fahren mussten. Einmal allerdings war der Fluss so tief, dass es nichts gab als die Schuhe auszuziehen und mit dem Velo durchzuwaten. So wissen wir nun auch, dass unsere Packtaschen wasserdicht sind. Die Strecke ging abenteuerlich weiter, denn auch Versorgungsmöglichkeiten gab es weit und breit keine. Deshalb mussten wir am Abend in einem kleinen Dorf um Wasser bitten, dieses vor Ort filtern und als Abendessen unsere Notration kochen.

 

Wasserfiltern mit Unterstützung der Dorfkinder
Wasserfiltern mit Unterstützung der Dorfkinder

Am nächsten Tag kamen wir wieder auf asphaltierte Strassen und erreichten schon bald das Dorf Na Tan, wo wir zum Schulbesuch in einer von Child's Dream unterstützten Schule angemeldet waren. Unweit der Schule schlugen wir unser Zelt auf, damit wir am folgenden Morgen pünktlich zum Einläuten dort sein konnten. Kaum hatten wir alles aufgebaut, bekamen wir auch schon Besuch. Einige Dorfbewohner und mit ihnen eine Horde Kinder waren neugierig und wollten wissen wer wir sind und was wir vorhaben. Aus dem Gespräch, das auf ein paar Brocken Englisch und viel Zeichensprache beruhte, konnten wir ausmachen, dass alle damit einverstanden waren, dass wir auf diesem abgeernteten Reisfeld zelteten. Leider war der Polizist, der kurz darauf erschien, nicht gleicher Meinung und beharrte darauf, dass wir uns ein Gasthaus nahmen. Den Grund konnten wir nicht genau ausfindig machen, es hing aber anscheinend damit zusammen, dass in Laos gerade ein neuer Präsident gewählt wird. Deshalb sei das Campieren aus Sicherheitsgründen während rund einem Monat verboten. Wir wollten keinen Ärger und befolgten die Anweisungen der Polizei.

 

In der Schule wurden wir am nächsten Morgen vom Schulleiter und einigen englischsprechenden Lehrpersonen herzlich empfangen. Nach einigen Infos über die Schule und das Bildungssystem in Laos ging es in die verschiedenen Klassenzimmer, wo wir die Möglichkeit hatten, mit den Schülern etwas Englisch zu sprechen und ihnen ein wenig über die Schultern zu schauen. Anschliessend war Morgensport angesagt. Sämtliche Schüler stellten sich im Schulhof in Reih und Glied auf und folgten den Anweisungen aus dem Lautsprecher. Wir konnten natürlich nicht kneifen und hatten uns ebenfalls in die Reihen zu stellen und mitzumachen.

 

Die Schule machte einen sehr guten Eindruck auf uns, Schüler wie Lehrer sind sehr motiviert und wir stiessen in den Klassen auf viele fröhliche Gesichter. Gegen Mittag verabschiedeten und bedankten wir uns für die interessanten und wertvollen Einblicke. Die Zeit in der Sekundarschule von Na Tan hat uns noch mehr von der wertvollen Arbeit von Child's Dream überzeugt und uns aufgezeigt, wie sehr diese benötigt und auch wirklich geschätzt wird.

 

Begrüssung auf laotische Weise
Begrüssung auf laotische Weise

Bis zum nächsten Etappenziel in Vientiane warteten noch einige harte Velotage auf uns. Denn obwohl wir wussten, dass es in Nordlaos steile Passagen geben würde, waren wir dann doch überrascht, wie steil die Strassen effektiv waren und in welchem Zustand sich die Hauptverbindungsrouten zudem teilweise befanden. Vor Vientiane trafen wir nämlich wiederum auf lange Abschnitte mit Naturstrassen. Neben diesen sportlichen Herausforderungen werden uns vor allem auch die ursprüngliche Natur und die Freundlichkeit der Menschen auf dem Land in Erinnerung bleiben. Insbesondere das fröhliche Zurufen und Winken der Kinder werden unvergesslich sein.


In Vientiane gönnten wir uns einen Ruhetag und leisteten uns ein schönes, klimatisiertes Zimmer mit Ausblick über den Mekong und nach Thailand. Am nächsten Tag starteten wir dann die nächste und letzte Südostasien-Etappe. Wir wollten über die „Friendship“-Brücke zurück nach Thailand, um von dort aus auf direktem Weg zurück nach Bangkok zu gelangen. Sehr viele Tage bis zu unserem Flug nach China blieben uns nämlich nicht mehr.

Download
Druckversion Reisebericht 3. Etappe
3_HuayXai-Vientiane.pdf
Adobe Acrobat Dokument 592.3 KB