Südafrika I

15. Etappe: Johannesburg nach Kapstadt

26.12.2016 - 19.01.2017

Vom südamerikanischen Sommer in Buenos Aires flogen wir in den afrikanischen Sommer Johannesburgs. Der Flug sowie der Transfer von und zu den Unterkünften haben reibungslos geklappt, was mit unserem ganzen Gepäck ja gar keine Selbstverständlichkeit darstellt. Bereits am zweiten Tag in Johannesburg trafen wir Miriams Eltern Mary und Paul, eine gemeinsame Safari-Woche war geplant. Zuerst stand allerdings eine Stadttour durch Johannesburg mit anschliessendem Besuch im Apartheidmuseum auf dem Programm. Dies liess uns einen Eindruck der ehemaligen Goldgräber-Metropole gewinnen und uns ein erstes Mal in die bewegte Geschichte Südafrikas eintauchen.

 

Am nächsten Tag ging es mit einem Mietauto in Richtung Krüger-Nationalpark. Unser Hinweg führte uns auf der berühmten „Panorama-Route“ durch den „Blyde River Canyon“. Auf keinen Fall wollten wir die spektakulären Ausblicke, Schluchten und Wasserfälle des Canyons verpassen. Leider hatten wohl Mary und Paul das schlechte Wetter aus der Schweiz (oder wir aus Patagonien) mitgebracht. Während dem ganzen Tag klebten die Wolken regelrecht an den Bergen, sodass vom versprochenen Panorama nicht viel zu sehen war. Gut konnten wir auf der Rückfahrt nochmals einen Teil der Strecke mitnehmen, so hielt sich die Enttäuschung etwas in Grenzen.

 

Einer der spektakulären Wasserfälle auf der Panoramaroute
Einer der spektakulären Wasserfälle auf der Panoramaroute

Silvester wollten wir in einem Naturreservat neben dem Krüger-Park verbringen. Wie staunten wir, als wir schon beim Hereinfahren Antilopen, Gnus, Zebras und sogar Giraffen sichteten. Die Busch-Lodge begeisterte uns mit ihrer authentischen Möblierung. Alles war im britischen Kolonialstil eingerichtet, da fühlten wir uns gleich wie die Afrikaforscher vor 150 Jahren. Speziell war auch, dass die Lodge nicht mit einem Zaun vom Reservat abgegrenzt ist und die wilden Tiere auf einen Besuch vorbeikommen dürfen. Doch keine Angst, wir wurden in der Nacht zu unserem Zelt eskortiert und liefen so nicht in die Gefahr, von einem wilden Löwen attackiert zu werden.

 

Als wir bei Einbruch der Dämmerung zu unserer ersten Safari loszogen, hatten wir leider nicht so viel Glück. Wir sahen nur wenige Tiere, vor allem Antilopen und Vögel. Die Highlights waren zwei schwimmende Flusspferde und ein Alligator, die wir aber alle nur aus der Distanz beobachten konnten. Als Silvestermahl genossen wir einen „Braai”, ein afrikanisches Barbecue, direkt unter dem Sternenhimmel.

 

Am Neujahrstag wurden wir bereits um fünf Uhr morgens von einem Ranger geweckt – Morgensafari! Mit noch verschlafenen Augen nahmen wir im Safari-Fahrzeug Platz und tuckerten los. Der Spurenleser war trotz der frühen Morgenstunde aufgeregt; er hatte in der Nacht Löwen gehört und deren Spuren wollten wir nun suchen. Schon nach kurzer Fahrt ging es von der Strasse weg, ab in den Busch. Unser Fahrer hatte von einem anderen Safari-Team per Funk einen Hinweis erhalten. Im Eiltempo holperte unser Safarimobil über tiefe Schlaglöcher und brauste durch Wassergräben, dass es nur so spritzte. Selbst Sträucher und Büsche konnten den Fahrer nicht stoppen, sie knickten unter den Rädern um wie Salzstängeli. Und siehe da: Nach einem abrupten Stopp blickten wir Auge in Auge mit drei Löwen, die sich genüsslich in der Morgensonne räkelten. Nachdem wir uns an den beeindruckenden Königen der Tiere sattgesehen hatten, ging die Tour durch das Reservat etwas gemächlicher weiter. Nur kurz darauf wurde unser Spurenleser allerdings erneut nervös. Er tauschte hektische Zeichen mit dem Fahrer aus, dieser drehte ab – es folgte eine weitere Abenteuerfahrt quer durch den Busch. Als wir verlangsamten, sahen wir den Grund zur Aufregung: Er war schwarz gepunktet und schleppte etwas durchs Gras. Ein Leopard mit Beute! Wie uns erklärt wurde, zeigen sich Leoparden nur äusserst ungern und vor allem mit Beute findet man sie so gut wie nie. Ein riesiger Glücksfall also! Der Leopard zog sich dann auch bald mit seinem Fang unter einen nahegelegenen Strauch zurück und wir wurden Zeuge, wie die Grosskatze ganze Fleischfetzen aus seinem Opfer herausriss und sie gierig verzehrte. Kein schlechter Anfang für das neue Jahr!

 

Der Leopard kurz vor seinem Neujahrsmahl
Der Leopard kurz vor seinem Neujahrsmahl

Als wir am selben Tag mit unserem Mietauto im Krügerpark unterwegs waren, erspähten wir auch noch zwei Nashörner, mehrere Elefanten und einen grossen Büffel. Die berühmten „Big Five” konnten wir also gleich an einem einzigen Tag komplettieren. Es folgten dann noch zwei weitere Safari-Tage im Addo-Elephant-Nationalpark bevor wir uns in Port Elizabeth von Miriams Eltern verabschiedeten und fortan wieder mit unseren Velos weiterreisten.

 

Schon auf den ersten Kilometern hatten wir leider Pech mit dem Wetter, wir wurden so verregnet wie noch fast nie zuvor auf der Reise. Nach nur kurzer Zeit trieften unsere Kleider vom Regen und wegen der hohen Luftfeuchtigkeit, die der Wetterumbruch mit sich brachte, blieb dies auch noch eine Zeit lang so. Zum Glück war das jedoch nur ein Ausnahmezustand, die kommenden Tage waren von Sonne, noch mehr Sonne und viel Hitze geprägt. Dies liess uns bei den vielen Hügeln ganz schön schwitzen. Obwohl wir meistens in Küstennähe fuhren, haben wir wieder einen Tagesschnitt von 850 Höhenmetern aufgestellt. Immerhin waren die Steigungen meist moderat und wir kamen gut vorwärts – wenn uns nicht der Wind bremste. Dass es hier so häufig und so starken Wind gibt, hätten wir nicht gedacht. An stürmischen Tagen fallen die Winde gegenüber den patagonischen also nicht gross ab und man glaubt es kaum, aber es gibt auch hier Bäume, die in Windrichtung wachsen. Unsere Strecke wurde dann, je mehr wir uns Kapstadt näherten, immer malerischer. Die letzten paar Tage konnten wir immer wieder direkt dem Meer folgen und so zuschauen, wie die Wellen wild an die Klippen schlugen, wie die Surfer ihr Können unter Beweis stellten und wie die Menschen sich an den weissen Badestränden sonnten. Ein-, zweimal gönnten wir uns natürlich ebenfalls ein Bad in dem erfrischend kühlen Wasser.  

 

Landschaftlich eine der schönsten Strecken unserer Reise
Landschaftlich eine der schönsten Strecken unserer Reise

Wild gezeltet haben wir in Südafrika leider nie. Die Sicherheit hier ist eine sehr komplexe Angelegenheit, die man als Tourist kaum ergründen kann. Es ist sehr schwierig, verlässliche Infos über die Sicherheitslage auf den einzelnen Streckenabschnitten zu erhalten. Die lokalen Leute, mit denen wir sprachen, waren sich darüber meist auch nicht ganz einig und haben uns im Allgemeinen aber vehement vom Wildzelten abgeraten. Da wir unser Schicksal auf den letzten Kilometern nicht noch herausfordern wollten, schliefen wir also entweder auf sicheren Campingplätzen oder buchten eines der zahlreich angebotenen Gasthäuser. Tagsüber mussten wir uns auf der „Garden Route“ am Westkap aber gar keine Sorgen machen, im Gegenteil, die Leute waren ausgesprochen nett und haben uns mit Freundlichkeiten überhäuft. Die Strecke ist mit dem Velo also sicherlich zu empfehlen, das Zelt kann man aber gleich zu Hause lassen.

 

Auch hier in Afrika hatten wir wiederum Gelegenheit, lokale Leute zu treffen. Zum einen verbrachten wir zwei Tage mit Liz und Mark, die wir über „Warm Showers” kennenlernten. Sie überraschten uns mit ihrem wunderschönen Haus an bester Lage. Vom Jacuzzi auf der grosszügigen Terrasse aus liess sich die ganze Bucht ihres Wohnortes Knysna überblicken. Zwei weitere Tage wohnten wir bei „Auntie Ursula”, eine ältere Dame, die Michi von seinem letzten Südafrika-Besuch her kennt. Speziell ist, dass sie „coloured” (farbig) ist und auch in einem Quartier lebt, wo Weisse eher selten anzutreffen sind. Solche Gegenden unterscheiden sich von denjenigen, wo mehrheitlich Weisse wohnen, ziemlich stark. Der Gegensatz zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist trotz dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 noch immer recht klar zu beobachten, und für uns war es sehr spannend, einen Einblick in verschiedene gesellschaftliche Bereiche zu erhalten.

 

Abschiedsfoto mit Auntie Ursula und ihrem Sohn Emile
Abschiedsfoto mit Auntie Ursula und ihrem Sohn Emile

In Somerset West haben wir zudem Schweizer Bekannte getroffen, die uns wieder einmal mit dem vollen Programm an Schweizer Essen verwöhnten: Wurst-Käse-Salat, Fleischplättli, Basler Leckerli und sogar Fasnachtschüechli tischten sie uns auf. Sehr, sehr lecker! Ein toller Vorgeschmack dessen, was uns zu Hause an gutem Essen bald erwartet...

 

Vor der Einfahrt in unser Endziel Kapstadt wollten wir natürlich unbedingt noch ums Kap herumfahren. Dieses Vorhaben stellte sich jedoch aufgrund der Sicherheitslage als kompliziertes Unterfangen heraus. Viele Vorstädte, die auf dem direkten Weg lagen, waren für uns Veloreisende viel zu gefährlich. Die Einheimischen meinten, sie würden diese Townships sogar im Auto sehr ungern und falls doch nur mit einer Pistole bewaffnet passieren. Nach Absprache mit verschiedenen Leuten liess sich schliesslich aber eine Strecke finden. Durch einen weiten Bogen, ein Umweg von ca. 50 km, wollten wir die gefährlichen Gebiete umfahren. Obwohl wir uns sicherlich für eine Strecke mit einem niedrigen Gefahrenpotential entschieden, haben wir uns nicht immer ganz wohlgefühlt. Wir beobachteten mehrere hektische Szenen, unter anderem Auseinandersetzungen zwischen Zivilpersonen und Polizisten, und wurden Zeugen von zwei wahrscheinlich tödlichen Verkehrsunfällen. Vergleichbares haben wir bisher höchstens in Lima erlebt. Bei einem nächsten Mal würden wir diese ganzen „dodgy areas”, wie die Einheimischen die unsicheren Gebiete hier nennen, per Taxi überspringen.

 

Der allerletzte Velotag liess uns jedoch den chaotischen Vortag schnell vergessen. Wir hatten uns für den Endspurt nochmals einiges vorgenommen, auf den letzten Velokilometern konnten wir unseren Ehrgeiz nochmals so richtig spüren. 115 km und vier Küstenpässe gab es abzustrampeln. Auf der Strecke jagte jedoch ein Höhepunkt den nächsten. Schon kurz nach unserem Start um sieben Uhr konnten wir die Kap-Pinguine bei ihrem morgendlichen Fitnessprogramm beobachten. Nach einer Fahrt durch den Halbinsel-Nationalpark mit seiner speziellen Busch-Vegetation erreichten wir das Kap der guten Hoffnung – der letzte grosse Meilenstein der Reise war geschafft! Die folgende Küstenstrasse mit dem spektakulären „Chapmans Peak” bescherte uns erneut beeindruckende Ausblicke auf das Meer. Das i-Tüpfelchen war dann noch die Einfahrt nach Kapstadt, die uns entlang der Uferpromenade und durch das hippe Hafengebiet führte, das Ganze mit konstantem Blick auf den Tafelberg.

 

Ankunft am Kap der guten Hoffnung
Ankunft am Kap der guten Hoffnung

Als wir bei unserer Unterkunft nahe des Zentrums ankamen, realisierten wir erst gar nicht wirklich, dass das Velofahren nun eigentlich zu Ende war. Erst später, als wir mit gutem Essen und einem Drink die Ankunft feierten, wurde uns richtig bewusst, dass dies nun tatsächlich der Endpunkt der Reise ist. Gut, dass wir in der Schweiz nochmals zwei tröstende Velotage von Zürich nach Fulenbach einplanten. Sonst wäre diese Ankunft eine richtig traurige Angelegenheit geworden, trotz allen Glücksgefühlen darüber, dass wir es ohne grössere Zwischenfälle heil bis nach Kapstadt geschafft haben.

 

Jetzt geniessen wir noch einige Tage unsere Ankunft im wunderschönen Kapstadt und bereiten uns mental schon ein wenig auf die Heimkehr vor, bevor wir dann zum letzten Mal die Velos verpacken und ins Flugzeug Richtung Zürich steigen.

 

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