Südafrika II / Schweiz

Heimkehr: Kapstadt nach Fulenbach

20.01.2017 - 28.01.2017

Das war's. Wir sind wieder zuhause.

 

Wir müssen also zugeben, es ist schon etwas komisch, diesen Reisebericht nun daheim am eigenen Pult zu schreiben, anstatt irgendwo in einem Hotelzimmer oder einem Café. 

 

Gleich zuallererst: Wir sind gut nach Hause gekommen, sind gesund und munter und sind uns hier gut am Einleben. Dieser letzte Reisebericht soll nun aber noch von unseren letzten Tagen in Kapstadt und vor allem von unserer Heimkehr in die Schweiz erzählen. 

 

Am ersten Tag nach der Ankunft in Kapstadt ging es gleich um neun Uhr morgens los auf die Fähre nach Robben Island. Dies ist eine Insel, 45 Minuten vom Festland entfernt, die zu Zeiten der Apartheid als Hochsicherheitsgefängnis diente. Der berühmte Ex-Staatspräsident Südafrikas, Nelson Mandela, hat dort 18 Jahre seiner 27-jährigen politischen Gefangenschaft verbracht. Der Besuch war sehr eindrücklich; erstens, weil die meisten Gebäude wirklich noch im Original erhalten sind und zweitens, weil die Führungen von ehemaligen politischen Häftlingen durchgeführt werden. Liest oder hört man von brutalen Gefängnisregeln und Foltermethoden, lässt einem das leer schlucken. Erzählt jemand davon, der die Regeln und Methoden am eigenen Leib erfahren musste, geht einem das schon sehr nahe. Unglaublich, was sich die Machtinhaber der Apartheid-Politik, die erst 1994 endete, für Ungerechtigkeiten und Demütigungen erlaubten. Dies scheint umso tragischer, wenn man sich überlegt, dass ähnliche Gefängnisse heute noch existieren und menschenverachtende Strafvollziehungen mancherorts noch immer an der Tagesordnung sind.

 

Nelson Mandelas Gefängniszelle auf Robben Island
Nelson Mandelas Gefängniszelle auf Robben Island

Nach dem doch etwas betrübenden Besuch waren wir froh, als wir an der Waterfront, dem touristischen Zentrum beim Hafen Kapstadts, auf andere Gedanken gebracht wurden. Die Waterfront ist eine quirlige Gegend mit Strassenmusik, Künstlern, Cafés, Bars und Touristen, die ihre Ferien geniessen. Wir setzten uns zum Mittagessen in ein Restaurant und beobachteten das bunte Treiben. In Südafrika kriegt man nämlich qualitativ hochstehende Menüs zu einem für uns Schweizer sehr vernünftigen Preis.

 

Am dritten Tag durfte Miriam endlich ihr Geburtstagsgeschenk einlösen, ein Helikopterrundflug. Mit lautem Rattern hoben wir ab und erhielten sogleich eine fantastische Sicht auf die Waterfront, das runde Fussballstadion und das Wahrzeichen Kapstadts, der Tafelberg. Etwas später überblickten wir den atlantischen wie auch den indischen Ozean, die beim Kap der guten Hoffnung zusammenfliessen. Auf unserem Flug um den Tafelberg herum konnten wir die Kap-Halbinsel überblicken und bekamen einen Eindruck der weiten Ausdehnung der Stadt. Für uns war besonders speziell, dass wir fast die gesamte Strecke der letzten Velotage aus der Vogelperspektive betrachten konnten. Zudem gab die Sonne an diesem Tag ihr Bestes, sodass es im Helikopter zwar ziemlich warm wurde, die Sicht dafür umso besser war. 

 

Miriam durfte im Cockpit gleich neben dem Piloten Platz nehmen.
Miriam durfte im Cockpit gleich neben dem Piloten Platz nehmen.

Was man in Kapstadt nicht verpassen darf, ist eine Wanderung auf den Tafelberg. Auch wir wollten uns dies nicht entgehen lassen. So schnappten wir uns an einem weiteren heissen aber wiederum sehr klaren Tag unsere Trekkingschuhe und nahmen die etwa zweistündige Wanderung unter die Füsse. Erneut einen Blick über die Stadt aus einer neuen Perspektive erheischen zu können war genial. Den Abstieg in der Nachmittagshitze wollten wir uns ersparen und sind somit mit einer Schweizer Drehgondel wieder nach unten gelangt. Auch den restlichen Tag verbrachten wir mit dem Entdecken der Stadt. Wir liessen uns vom Touristenbus durch die verschiedenen Stadtteile chauffieren und schlossen uns am Abend einem geführten Spaziergang durch das muslimische Viertel „Bookap“ an. Um ihrem Stolz auf ihr eigenes Heim Ausdruck zu verleihen, malten die dort ansässigen ehemaligen Sklaven ihre Häuser in den kräftigsten Farbtönen an.

 

Nach diesem aufregenden Tag ging es langsam aber sicher ans Verpacken der Velos und des ganzen anderen Krams. Wegen des schweren Handgepäcks kamen wir zwar mit gebeugten Rücken zum Flughafen, aber irgendwie haben wir es wieder geschafft, sämtliches Gepäck so zu verstauen, dass wir ohne Aufpreis fliegen konnten. Schneller als uns lieb war, hob das Flugzeug ab und wir liessen Afrika hinter uns. Gern hätten wir Kapstadt noch etwas länger genossen und noch lieber wären wir gleich mit dem Velo auf dem Landweg heimgekommen.

 

Als wir am Freitagmittag in Zürich landeten, war es schon ein komisches Gefühl, bei der Passkontrolle «Grüezi» zu sagen, sämtliche Schilder auf Deutsch zu lesen und viele Menschen Schweizerdeutsch reden zu hören... Wir machten schon im Voraus Witze darüber, dass uns nun beim Zusammenbauen der Velos wohl keine Menschenseele ansprechen werde. Und genau so war es. Einige gingen im Ankunftsbereich zwar etwas langsamer oder schielten zu uns herüber. Nach unserem Vorhaben ausgefragt wie in allen bisherigen Ländern hat uns aber niemand.

 

 

Hier in der Ankunftshalle haben wir die Velos zusammengebaut
Hier in der Ankunftshalle haben wir die Velos zusammengebaut

Weil wir uns ein wenig Zeit lassen wollten, um in der Schweiz anzukommen, entschlossen wir uns, mit dem Velo vom Flughafen in Zürich nach Hause zu radeln. Da wir jedoch schon mehr als genug Erfahrung mit Zelten bei Minustemperaturen hatten, liessen wir das Zelt, wo es war und verbrachten die Nacht bei unseren Freunden Silvia und Fabian in Fislisbach. Kaum klingelten wir an deren Tür, wurden wir von den beiden mit Champagner herzlich empfangen. Ganz schweizerisch wartete schon ein leckeres Raclette auf uns. Nach einem Jahr Käse-Flaute war das natürlich ein absolutes Highlight. Der Schweizer Käse ist halt schon echt gut!

 

Wie wir unseren Leuten schon vor Monaten ankündigten, wollten wir am nächsten Tag um punkt 15 Uhr in Miriams Dorf Fulenbach ankommen. Die Vorstellung unsere Freunde und Familien bald wieder in echt zu sehen, liess uns schon beim Abflug in Kapstadt ziemlich aufgeregt werden. An diesem Tag waren wir dann aber voller Vorfreude auf das anstehende Wiedersehen.

 

Knapp 50 km kündigte unser GPS an für unsere allerletzte Tagesetappe. In einem Aarauer Beizli erholten wir uns auf halber Strecke von der ungewohnten winterlichen Kälte. Spätestens ab da kam uns die Gegend immer vertrauter vor. Im Wald vor Fulenbach startete schliesslich ein echter Countdown: Miriams Familie gestaltete Endspurt-Schilder, die uns die Distanz bis zum Ziel anzeigten. Noch 2000m, noch 1000m, noch 500m…

 

Die letzten Meter!
Die letzten Meter!

Wir haben das Timing ziemlich gut getroffen. Wir mussten nur eine halbe Minute am Hügel vor der Kirche warten, bevor wir kurz vor dem Drei-Uhr-Glockenschlag hinuntersausten und auf den Kirchenplatz einbogen.

 

Mit lautem Kuhglockengebimmel, Klatschen und Rufen wurden wir willkommen geheissen. Wir können ganz klar sagen: Obwohl wir auf der ganzen Reise viele eindrucksvolle Momente erlebten, war das Wiedersehen doch einer der allerschönsten. Nach dem grossen Hallo und einem Apéro auf dem sonnigen Kirchenplatz ging es zu Kaffee und Kuchen in den warmen Pfarreisaal, wo wir gemütlich mit den Anwesenden zusammensitzen konnten und so den aufregenden Tag ausklingen liessen.

 

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Leserinnen und Leser fürs Mitfiebern und Miterleben, es hat grossen Spass gemacht, unsere Reiseerlebnisse mit euch zu teilen!

 

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