Thailand I

1. Etappe: Ayutthaya nach Chiang Mai

14.02.2016 - 27.02.2016

Wir sind gerade in Chiang Mai und haben bereits gut 800 km mit den Velos zurückgelegt. Auf der ersten Etappe bis hierhin ist alles gut gegangen und wir haben schon viel gesehen und erlebt. Hier erholen wir uns ein wenig von den Anstrengungen der vergangenen Tage, organisieren uns für die Weiterreise und schreiben unseren ersten Reisebericht.

 

Bevor wir am 14. Februar 2016 unsere grosse Reise starten konnten, mussten wir erst viele schwere Abschiede von lieben Freunden und der Familie hinter uns bringen. Obwohl wir beide auch schon mehrere Monate von zuhause weg waren, so war es diesmal doch besonders schwierig – ein Jahr ist eben schon eine lange Zeit... Schlussendlich ist es aber natürlich auch schön zu wissen, dass man Leute um sich hat, die man vermissen wird.

 

Beim Flug von Zürich nach Bangkok hat glücklicherweise alles reibungslos geklappt und wir konnten unsere in Kartonboxen verpackten Velos sofort in Empfang nehmen. Da wir unsere Reise allerdings nicht direkt in Thailands geschäftiger Hauptstadt beginnen wollten, hatten wir vor, mit dem Zug dem hektischen Stadtverkehr zu entkommen. Von Ayutthaya aus, eine Kleinstadt ein wenig nördlich von Bangkok, wollten wir dann gemütlich losfahren. Die Zugfahrt blieb allerdings ein Vorhaben. Noch bevor wir überhaupt ein Zugticket kaufen konnten, wurden wir von „wichtigen Leuten“ aufgehalten. Nach ihrem Empfinden waren unsere Kartonboxen leider deutlich zu gross für den Expresszug ins Zentrum. Auch auf die Minibusse konnten wir nicht ausweichen und so mussten wir uns wohl oder übel ein Taxi nach Ayutthaya leisten. Wenn dies auch nicht die günstigste Lösung war, die bequemste war es bestimmt, und so standen wir 90 Minuten später mit Sack und Pack direkt vor unserem Gasthaus. Am nächsten Tag wurde ausgepackt und zusammengebaut, sodass wir dann am 17. Februar mit unseren schwer bepackten Velos plangemäss starten konnten. Bei herrlichem Sommerwetter radelten wir in Richtung Norden.

 

Abfahrt vor unserem Gasthaus in Ayutthaya
Abfahrt vor unserem Gasthaus in Ayutthaya

Schon vom ersten Tag an haben wir probiert, uns vor allem auf Nebenstrassen zu bewegen, um den grossen Verkehr auf den Landstrassen zu meiden. Dies ist uns bis jetzt, mit Ausnahme eines kurzen Abstechers auf die Autobahn „Highway Number 1“, immer recht gut gelungen. Die Strassen sind fast immer asphaltiert und in gutem bis sehr gutem Zustand. Oft sind sie gesäumt mit exotischen Pflanzen, imposanten Tempeln und Torbögen mit dem Antlitz des allseits verehrten Königs. Die Menschen, denen wir unterwegs begegnen, haben stets ein Lächeln auf dem Gesicht, winken und rufen uns freudig zu. Hat man eine Frage oder braucht Hilfe, sind sie sofort gern zur Stelle. Ebenfalls neben der Strasse beobachten wir viele Tiere; verschiedenste Vögel, Hunde und Katzen. Auch am Abend im Zelt hören wir unterschiedlichste Tierstimmen, von denen wir nicht wirklich wissen, welcher Art wir sie zuordnen sollen. Besser vielleicht. Erschreckend viele Tiere finden sich auch mitten auf der Strasse. Dann jedoch plattgedrückt und ohne Geräusche von sich gebend.

 

So fuhren wir denn und bewunderten die unbekannte, exotische Landschaft. Dann passierte es plötzlich - Miriam spürte, dass das Hinterrad sich irgendwie merkwürdig bewegte - der erste Platten! Unglaublich, nach nur 55 Kilometer! Dabei wir waren uns recht sicher, dass unsere „Schwalbe Marathon Plus“ Reifen praktisch undurchdringbar wären. Naja, Reparaturmaterial haben wir natürlich dabei; wir hätten einfach nicht gedacht, dass wir es so früh schon auspacken müssten. Am Strassenrand bauten wir also das Hinterrad aus und behoben den Schaden. Auch hier zeigte sich die grosse Hilfsbereitschaft der Thais; etliche Autos und Mofas hielten kurz an und fragten nach, ob alles in Ordnung sei. Glücklicherweise war das Loch schnell gefunden: Eine spitze Nadel hatte sich durch Reifen und Schlauch gebohrt und so den Platten verursacht. Auch das Flicken ging ruckzuck und so waren wir eine knappe halbe Stunde später schon wieder „back on the road“. Kurz, gar etwas zu kurz vor Sonnenuntergang suchten wir uns nach den ersten 80 km einen Zeltplatz bei einem kleinen Bananenhain etwas abseits eines Dorfes. Wir stellten das Zelt auf, kochten und schafften es dann knapp nicht, uns vor dem ersten Mückenstich ins Zelt zu retten. Wir hatten aber Glück, die Moskitos waren nicht allzu aggressiv und so blieben wir vor wirklich schlimmen Attacken verschont.

 

So hat sich unser Tagesablauf entwickelt. Am Morgen essen wir ein Müesli im Zelt, brauen manchmal auf dem Benzinkocher Kaffee, brechen das Zelt ab und radeln dann noch vor 8 Uhr los. Gegen 10 Uhr gibt es eine Pause und wir gönnen uns bei einem kleinen Laden, von denen es neben der Strasse unzählige gibt, einen Snack und füllen den Wasservorrat auf. Um die Mittagszeit halten wir bei einer kleinen Garküche, die man etwa ebenso häufig wie die Läden findet. Dort lassen wir uns ein Menü, meist mit Reis, frisch zubereiten. Da der Energiebedarf beim Velofahren unglaublich hoch ist – beim Essen des letzten Bissens fragt man sich schon fast, was man denn als nächstes essen könnte – legen wir auch am Nachmittag jeweils wieder eine Verpflegungspause ein. Kurz vor 5 Uhr beginnen wir die Suche nach einem Zeltplatz, kochen und legen uns kurz nach Sonnenuntergang schon schlafen.

 

Campingplatz bei einem Reisfeld
Campingplatz bei einem Reisfeld

Nach einigen Tagen in diesem Rhythmus suchten wir uns in Kampheng Phet ein Gasthaus, um mal wieder ordentlich zu duschen und die Kleider wie auch das Geschirr sauber waschen zu können. Pro Tag schwitzt man bei diesen Temperaturen nämlich ein T-Shirt so durch, dass man es nicht unbedingt ein zweites Mal tragen möchte. Zur heissesten Tageszeit wird es im Schatten gegen 40°C warm. Auch in Sukhothai leisteten wir uns ein einfaches Zimmer in einem Gasthaus. Dort wollten wir uns den alten Stadtteil mit seinen Tempelruinen in Ruhe anschauen. Zufällig hatten wir da auch noch das Glück, einen kleinen Umzug mit Menschendrachen, Musik und Tanz bestaunen zu können. In beiden Gasthäusern haben wir zudem interessante Reisende getroffen, die uns beim gemeinsamen Nachtessen wertvolle Informationen zu Thailand und Tipps und Tricks fürs Fahrradreisen geben konnten.

 

Nach Sukhothai veränderte sich die Landschaft allmählich. Es waren Umrisse von Bergen, für Schweizer Verhältnisse eher grösseren Hügeln, zu erkennen. So waren wir dann auch nicht überrascht, als wir stärker in die Pedale treten mussten. Die Anstiege waren zwar nicht sehr lang, aber dafür umso steiler, was mit den vollbepackten Velos schon ziemlich anstrengend war. Ebenso steil ging es dann aber immer auch wieder herunter, was uns die ersten rasanten Abfahrten bescherte. Die zweite Gebirgskette, die sich uns in den Weg stellte, war nicht mehr so steil, dafür um einiges länger, sodass wir zur Überquerung doch schon einige Stunden benötigten. Auf unserem Weg über diese grossen Hügel haben uns die vorbeifahrenden Autos und Lastwagen immer wieder mit Hupen oder Winken angefeuert. Wenn man in der prallen Sonne so am Strampeln ist, gibt einem das wirklich einen Motivationsschub. Lustig war auch, dass die schwer beladenen Lastwagen teils gar nicht unbedingt viel schneller vorankamen als wir.

 

Vorfreude auf eine rasante Abfahrt
Vorfreude auf eine rasante Abfahrt

Auf der letzten Tagesetappe ging es dann relativ flott nach Chiang Mai, wo wir am 24. Februar am späten Nachmittag einfuhren und so doch noch etwas von der Hektik des thailändischen Feierabendverkehrs mitkriegten. In Chiang Mai, laut unseres Reiseführers die fünftgrösste Stadt Thailands, hatten wir ein Zimmer reserviert und auch hier war zuerst waschen und putzen angesagt. Für den darauffolgenden Tag hatten wir bereits ein Treffen mit Christin von Child's Dream vereinbart. (Unseren Bericht darüber könnt ihr hier lesen.) Seither bestimmen Touren durch die Stadt, arbeiten an unserem Reiseblog und Skypen mit Zuhause unseren Tagesablauf. Morgen werden wir einen Tagesausflug in ein Elefantencamp unternehmen und dann versuchen wir möglichst bald in Richtung Chiang Rai und der laotischen Grenze aufzubrechen.

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